Rainer Maria Rilkes Sonett Archaïscher Torso Apollos

im Blickfeld des psychoanalytischen Systems Jacques Lacans

Von: Simon Brandl

Abstract: Lacans psychoanalytisches System lässt sich in vielerlei Hinsicht als Interpretationsmodell für Rilkes Dinggedichte zur Anwendung bringen. Ein Paradebeispiel stellt hierfür Rilkes Sonett ‚Archaïscher Torso Apollos‘ dar. Die Motive von dinglicher Kunstschönheit, depravierter Ganzheit, dionysischer Lust und lichthaftem Sehen, die hier zur Sprache kommen, korrelieren auf faszinierende Weise mit den Lacanschen Termini von Objekt klein a, Subjektspaltung und Begehren sowie mit Lacans Theorie von Blick und Auge. Grundlegend hierfür ist jeweils das Theorem der Spiegelung, dessen Bedeutung für den ‚Symbolisten‘ Rilke ausgehend von erkenntnistheoretischen Fragestellungen verständlich wird.

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„Der Proceß“, als Zeichen gelesen:

Ch.S. Peirces Zeichentriade als hermeneutische Möglichkeit der Durchdringung komplexer Strukturen in Kafkas Fragmentroman „Der Proceß“

Von: Jan Heidamke

Abstract: Franz Kafkas Fragmentroman „Der Proceß“ (1914/15) gilt als prototypischer Roman der Moderne und stellt auch heute noch durch seinen schwer zugänglichen Handlungsverlauf zahlreiche Leser vor das Problem der mangelnden hermeneutischen Eindeutigkeit. Im Rahmen dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, sich dem Werk auf eine neue Weise durch die Zeichentriade aus Objekt, Repräsentamen und Interpretant nach Ch.S. Peirce zu nähern und die Funktionslogik des Romans somit unter unkonventionellen Gesichtspunkten semiotisch deutbar zu machen.

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LACAN NOW!

Ein Blick auf Jacques Lacan mittels Francis Ford Coppolas APOCALYPSE NOW

Von: Anna-Maria Babin

Abstract: Das Subjekt ist nach Jacques Lacan immer ein relationiertes. Das bedeutet, es kann sich nur über Interaktion mit anderen konstitutieren. Welche Art von anderen, rivalistische klein andere oder übergeordnete groß Andere, hängt von den jeweiligen Subjekten und ihrer gemeinsamen Verbindung ab. Dieser Grundgedanke Lacans wird anhand Francis Ford Coppolas APOCALYPSE NOW (1979) näher betrachtet.

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Die Figur und ihre Abbilder in Oscar Wildes The Picture of Dorian Gray

Relation und Interaktion zwischen Original, Doubel und den anderen

Von: Florian Benedikt Schäfer

Abstract: Der Protagonist Dorian aus Oscar Wildes The Picture of Dorian Gray wird sich im Text in vielerlei Hinsicht auf merkwürdige Weise selbst gegenübergestellt. Das seltsame Verhältnis zu seinem Bildnis, aber auch die anderen Reflexions- und Identifikationsmomente, die in dem Werk beschrieben sind, werden hauptsächlich anhand Jacques Lacans Theorie analysiert um zu beschreiben, wie die Figur und letztendlich der Roman funktioniert.

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Der fremde (Wort‑)Körper im entfremdeten Leib

Was uns Jacques Lacans Psychosemiologie über unsere Werdung zum objektivierenden Subjekt, über unsere Psychosen (in G. Grass‘ Die Blechtrommel) und über unseren Krebs (in C. Schlingensiefs Mea Culpa) sagen kann

Von: Patrick Thor

Abstract: Die Psychosemiologie Jacques Lacans verbindet die Bildung des menschlichen Subjekts mit einer spezifischen Objektivierung desselben: Es betrachtet sich als zeichenhaft konstituiertes Ob‑Jekt eines Anderen im Selbst. Nur aufgrund dieser inneren Spaltung kann das Subjekt sich als etwas vom All Unterschiedenes symbolisieren und so über sein ›Ich‹ reflektieren.
Anschließend an einen Grundlagenteil I, der eine spezifische Interpretation der Lacanschen Theorie des Spiegelstadiums und des daraus resultierenden Subjektmodells vornimmt, illustriert Teil II das psychotische Misslingen der Subjektbildung paradigmatisch anhand von Günther Grass‘ Die Blechtrommel. Der abschließende Teil III erweitert die psychoanalytische Theorie um den Aspekt der dezidiert physischen Erkrankung. Dieser neue Ansatz wird insbesondere unter Zuhilfenahme von Christoph Schlingensiefs Mea Culpa als einem Theaterstück über die eigene Krebserkrankung vorgenommen. Denn so wie Lacan speziell in der Sprache Geisteskranker einen direkten Ausdruck des Unbewussten zu finden glaubte, könnte auch gerade die (scheinbar) rein körperliche Erkrankung das (Ent‑)Fremde(‑te) im gespaltenen Subjekt offenbaren.

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Die Macht des Signifikanten in Robbe-Grillets „Augenzeuge“

Von: Nina Ort

Abstract: Die Macht des Signifikanten lässt sich an diesem literarischen Text des Nouveau Roman exemplarisch aufzeigen: Während das Imaginäre den Protagonisten – und mit ihm den Leser – in einen phantasmatischen Strudel zu reißen droht, ist es ein leerer Signifikant in Form einer Zigarettenschachtel, der sein Geschick tatsächlich lenkt und dirigiert.

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“Three Cameras! And we got nothing!”

Medientechnische Strategien zur Darstellung außersinnlicher Phänomene im Medium Film

Von: Tobias Martin Schwaiger

Abstract: Der Text analysiert verschiedene Vertreter des zeitgenössischen Horrorfilms in Bezug auf ihre Repräsentation von Besessenheit als Topos des Außersinnlichen. Dabei soll vor allem die Rolle der medialen Rahmung sowie die Relevanz der einzelnen Klassen der zweiten Zeichentrichotomie nach Peirce bezüglich der Darstellung von Undarstellbarem untersucht werden.

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Abduktionen

In Alain Robbe-Grillets „Der Augenzeuge“1 sieht sich der Handelsreisende Matthias genötigt, sich Alibigeschichten auszudenken, die eine gewisse Zeitspanne rechtfertigen sollen, in der – möglicherweise – ein grauenhafter Mord begangen wurde, und die ihm selbst in einer Art Absence abhanden gekommen ist. Diese Alibigeschichten wollen ihm nicht recht gelingen:

Nachdem er sich so gründlich mit der Konstruktion dieses Alibis beschäftigt hatte – als wäre es dazu angetan, ihn von jeglichem Verdacht reinzuwaschen –, entdeckte Matthias nun seine Unzulänglichkeit. […] Es blieb immer noch ein Loch in seinem Zeitplan. (S. 184f.)

Fieberhaft sucht er nach Erklärungsansätzen, die er jedoch allesamt wieder verwirft:

[…] er käme zum Bauernhof zurück, weil er glaubte, etwas vergessen zu haben… (nein) […] Er käme nichtsdestoweniger mit der Absicht, noch eine oder zwei Uhren zu verkaufen… (nein). Er wäre ungefähr drei Minuten zu spät an der Rampe angekommen, wegen des geliehenen Fahrrads, das im letzten Moment… (nein), […]. (S. 180)

Schließlich sieht er sich gezwungen, „[…] schnell zu reden, so schnell wie möglich, aber in beständiger Angst, seine Sätze auf verminte und ausweglose Pfade zu leiten […].“ (S. 180)

Er begann [] überstürzt zu sprechen […]. Um die Pausen auszufüllen, wiederholte er häufig mehrmals denselben Satz. Er überraschte sich sogar beim Aufsagen des Einmaleins. (S. 198)

Die Abduktion ist eine Schlussfolgerungsweise, mit der versucht wird, ein verblüffendes Phänomen durch eine erklärende Hypothese zu plausibilisieren. Wir sehen in Matthias’ Anstrengungen also die verzweifelte Suche nach einer Theorie, mit der die zeitlich nicht erklärbare Lücke in seiner Geschichte plausibel gefüllt werden könnte.

Wenn in der Abduktion auf einen Pool sich möglicherweise anbietender Regeln zurückgegriffen werden kann, so kann man erkennen, zu welch höchst dramatischem Lösungsversuch Matthias greift, indem er das Einmaleins aufsagt: welche unter allen denkbaren Regeln, wenn nicht das unumstößlich geltende Einmaleins, könnte ihn sonst noch retten?

  1. Alain Robbe-Grillet: Der Augenzeuge. Frankfurt a.M.: Suhrkamp. 1986 []

The only thing we have to fear is fear itself.

Horror as a semiotic medium in Amnesia: The Dark Descent

Von: Tom Reiss
Abstract: This paper analyzes the semiotic structure of the gameplay in the 2010 video game Amnesia: The Dark Descent, focusing particularly on representations and experiences of horror. The paper furthermore explores the connections between video gaming, horror and the notion of general interactivity in aesthetic experiences and fan cultures.

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© 2016 Münchner Semiotik, ISSN 2365-0230

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