Münchner Semiotik

Zeitschrift des Forschungskolloquiums an der LMU

Autor: Thor, Patrick

Drei Thesen und eine Schlussfolgerung zum Phänomen des ›Postfaktischen‹
»nobody knows exactly what’s going on«

von Nina Ort, Patrick Thor & Anna-Maria Babin

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Ausgehend von der öffentlichen Wahrnehmung des Amoklaufs am Münchner Olympia-Einkaufszentrum im Jahr 2016 sowie der aktuellen Debatte rund um das Problem ›fake news‹ werden wir den Begriff der Postfaktizität unter semiotischen Gesichtspunkten analysieren.
Zu diesem Zweck formulieren wir drei allgemeine Thesen, die semiotische Merkmale des Postfaktischen und des als ›postfaktisch‹ wahrgenommenen Diskurses zusammenfassen (Teile  I-III). Dabei erweisen sich der Postfaktische Diskurs und sein Umgang mit Fehlinformationen als spezifische Verengung des Wirklichkeitsbezuges (I), dessen faktische Defizite über das Postulat einer gesteigerten Authentizität der beteiligten Subjekte ausgeglichen werden soll (II). Dies hat wiederum eine neuartige Bedrohung der diskursiven Auseinandersetzung zur Folge, die wir als Idiosynkratischen Dogmatismus bezeichnen (III).
Der abschließende Teil IV folgert aus den beschriebenen Phänomenen, wie der postfaktischen (Pseudo‑)Argumentationsweise und ihren Folgen zielführend begegnet werden könnte.

ISSN: 2365-0230. Bitte folgendermaßen zitieren:
AutorIn: „Aufsatztitel“. In: MueSem – Münchner Semiotik (Ausgabe 2017), verfügbar unter: www.muenchner–­semiotik.de

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Der fremde (Wort‑)Körper im entfremdeten Leib
Was uns Jacques Lacans Psychosemiologie über unsere Werdung zum objektivierenden Subjekt, über unsere Psychosen (in G. Grass‘ Die Blechtrommel) und über unseren Krebs (in C. Schlingensiefs Mea Culpa) sagen kann

von Patrick Thor

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Die Psychosemiologie Jacques Lacans verbindet die Bildung des menschlichen Subjekts mit einer spezifischen Objektivierung desselben: Es betrachtet sich als zeichenhaft konstituiertes Ob‑Jekt eines Anderen im Selbst. Nur aufgrund dieser inneren Spaltung kann das Subjekt sich als etwas vom All Unterschiedenes symbolisieren und so über sein ›Ich‹ reflektieren.
Anschließend an einen Grundlagenteil I, der eine spezifische Interpretation der Lacanschen Theorie des Spiegelstadiums und des daraus resultierenden Subjektmodells vornimmt, illustriert Teil II das psychotische Misslingen der Subjektbildung paradigmatisch anhand von Günther Grass‘ Die Blechtrommel. Der abschließende Teil III erweitert die psychoanalytische Theorie um den Aspekt der dezidiert physischen Erkrankung. Dieser neue Ansatz wird insbesondere unter Zuhilfenahme von Christoph Schlingensiefs Mea Culpa als einem Theaterstück über die eigene Krebserkrankung vorgenommen. Denn so wie Lacan speziell in der Sprache Geisteskranker einen direkten Ausdruck des Unbewussten zu finden glaubte, könnte auch gerade die (scheinbar) rein körperliche Erkrankung das (Ent‑)Fremde(‑te) im gespaltenen Subjekt offenbaren.

ISSN: 2365-0230. Bitte folgendermaßen zitieren:
AutorIn: „Aufsatztitel“. In: MueSem – Münchner Semiotik (Ausgabe 2015), verfügbar unter: www.muenchner–­semiotik.de

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